posted 11-26- 05:22 PM
Hope you can read German!!Die heute bei der Lufthansa Traditionsflug in Dienst stehende Ju 52 trägt die Traditionsregistrierung D-AQUI, ist allerdings nicht in allen Teil identisch mit der historischen D-AQUI der alten Lufthansa, die im Jahre 1936 mit Schwimmern ausgerüstet den Passagierdienst von Kopenhagen nach Oslo aufgenommen hatte. Diese war schon nach wenigen Monaten an die norwegische Luftverkehrsgesellschaft D.N.L. verkauft und unter der Kennung LN-DAH eingesetzt worden. Nach der deutschen Besetzung im April 1940 wurde sie von der Luftwaffe beschlagnahmt und wieder der Lufthansa zur Verfügung gestellt. Erneut unter der Bezeichnung D-AQUI flog sie bis zum Kriegsende in Norwegen im Passagierdienst.
Nach Überholung in Norwegen wurde sie erneut von der D.N.L. übernommen und erhielt nun die Kennung LN-KAF. Es traten jedoch so schwerwiegende technische Mängel auf, daß die Maschine gründlich überholt werden mußte. Man stellte eine andere, 1943 bei der deutschen Luftwaffe in Dienst gestellte und von der britischen Royal Air Force erbeutete Ju 52 zur Verfügung, und aus beiden Maschinen wurde eine neue Ju 52 LN-KAH zusammengebaut. Diese flog noch bis Oktober 1956 bei der D.N.L. und der Nachfolgegesellschaft SAS. Während dieser Zeit wurde sie mehrfach überholt und mit Ersatzteilen aus anderen nicht mehr flugfähigen Ju 52 versehen.
Im Oktober 1956 wurde der Maschine eine Überstellung in ein Osloer Museum erspart, als der ehemalige Lufthansa-Flugkapitän Christof Drexel die Maschine kaufte, nach Quito in Ecuador überführte und dort mit der Kennzeichnung HC-ABS bis 1962 in einer eigenen Fluggesellschaft betrieb. Nach weiteren acht Jahren als Ruine am Flugplatzrand in Quito wurde die Ju 52 am 25.5.1970 von dem US-Amerikaner L. F. Weaver erworben, der sie zusammen mit seinem Landsmann, G. Hamilton, unter der Kennung N 130 LW nach Dixon, Illinois, überführte. Da Weaver aufgrund des schlechten Zustandes der Maschine keine Erlaubnis zur Passagierbeförderung erhielt, verkaufte er sie Ende 1974 an den amerikanischen Schriftsteller Martin Caidin, der sie nach Titusville, Florida, überführte, gründlich überholen ließ und mit der Kennung N 52JU als "IRON Annie" auf Airshows präsentierte. Schon bald mußten die noch originalen drei BMW-Motoren gegen Pratt & Whitney-Sternmotoren ausgetauscht werden. Auch das Fahrwerk wurde durch das einer Curtiss C-46 "Commando" ersetzt.
So flog die "IRON Annie" bis 1984, als die Lufthansa sie auf ihrer Suche nach einer Original-Ju 52 entdeckte und erwarb. Auf einer abenteuerlichen Reise überquerte sie den Atlantik (wahrscheinlich als einzige Ju 52 überhaupt) und wurde am 28.12.1984 auf dem Hamburger Flughafen von Martin Caidin persönlich der Lufthansa übergeben.
Es folgte eine mehr als ein Jahr währende umfassende Überholung der Maschine, die stärkere Korrosionsschäden aufwies als erwartet. Außerdem wurde das Cockpit mit moderner Instrumentierung versehen und das Fahrwerk einer alten Noratlas eingebaut. Die mehr als einjährige, überaus gründliche Erneuerung der Maschine ist in Pletschachers Buch ausführlich beschrieben.
Am 6.1.1986 wurde die Ju 52, nun wieder mit dem Traditionskennzeichen D-AQUI versehen, anläßlich der Feier zum 60. Jahrestag der Gründung der Lufthansa der Öffentlichkeit vorgestellt und erhielt den Namen "Berlin-Tempelhof", Basisflughafen der Vorkriegs-Lufthansa. Seit ihrem Erstflug am 1.4.1986 mit Flugkapitän Heinz-Dieter Bonsmann am Steuer steht sie während der Sommermonate in regelmäßigem Dienst bei Rund- und Streckenflügen in ganz Deutschland und erfreut sich bei ihren Fans ungeheurer Beliebtheit.
Ein besonderes emotionales Ereignis für Besatzung, Passagiere und Zuschauer war im März 1990 die erste Landung der DAQUI auf ihrem "Heimatflughafen" in Dessau, Sachsen-Anhalt, dem Sitz der ehemaligen Junkers-Werke, wo auch die ursprüngliche D-AQUI gebaut worden war.
Informationen und Flugpläne der D-AQUI erhält man bei:
Lufthansa Traditionsflug GmbH, Abt. HAM ZU/T, Postfach 630 300, D-22313 Hamburg, Fax 040-5070-5061.
Abmessungen und Technische Daten der D-AQUI:
Neue Kennzeichnung: D-CDLH
Triebwerke: 3 x Neunzylinder-Sternmotoren Pratt & Whitney PW 1340 S1 H1 Wasp
Triebwerksleistung: 3 x 600 PS
Besatzung: 3 - 4
Passagiere: 14
Spannweite: 29,25 m
Länge: 18,90 m
Höhe: 6,10 m
Flügelfläche: 110,5 m2
Maximales Startgewicht: 10,5 t
Kraftstoffmenge: 2.500 l
Startgeschwindigkeit: ca. 120 km/h
Reisegeschwindigkeit: ca. 180 km/h
Höchstgeschwindigkeit: ca. 230 km/h
Reichweite: maximal 1.200 km
Flugdauer: maximal 6 h
Startrollstrecke: ca. 400 m
Landerollstrecke: 350 m
(Quelle: Persönliche Mitteilungen von Besatzungsmitgliedern und Peter Pletschacher, Lufthansa Junkers Ju 52 - Die Geschichte der alten "Tante Ju", Aviatic Verlag, Planegg, 1990.)